PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Inwieweit Korrekturen auf der Fährte?



Rammstein
25.04.2006, 00:46
Heute habe ich mal eine Frage.

Mit Rammstein (12 Wochen) fährte ich jetzt seit 1 Woche und habe ihn in dieser Zeit bis heute an 2 Tagen nur Abgänge absuchen lassen und 3 "normale" Anfängerfährten.

Ich habe Abgänge, ca. 80 x 80 cm mit Leckerchen im Abgang (und nicht am Rand) bestückt, Rammstein dort hineingehoben, ihn die Leckerchen fressen lassen und ihn herausgehoben, bevor alle Leckerchen weg waren. Das soll Frust, aber auch die Vorfreude auf die nächste Fährte aufbauen. Hat auch super geklappt - er hat mir nämlich aus Frust voll in die Schulter gebissen.

Nach 2 Abgängen habe ich einen kleineren Abgang getreten und schon von dort hinaus eine ca. 40 Schritt lange Fährte getreten. Also, einen Fuß hinter den anderen gesetzt und in jeden Abdruck ein Leckerchen plaziert. Ich habe gleich schon leichte Schlangenlinien eingebaut. Und Rammstein ist mit durchhängender Leine und ganz tiefer Nase Schritt für Schritt gegangen und hat die Leckerchen aufgenommen. Das Kommando "Such" habe ich erst gegeben, als ich ihn Suchen hörte. Das klappte super - ging er aus der Fährte heraus, habe ich ihn nicht korrigiert, sondern gewartet, bis er wieder selbständig auf der Fährte war. Ist ja logisch - er soll sich ja selbst korrigieren und daraus lernen, daß ein Abweichen von der Fährte ohne Belohnung ist. Ich wußte nur nicht, wie ich reagieren sollte, als er

1. Leckerchen auf der Fährte überlaufen hat

und

2. ein Stück auf der Fährte zurückgehen wollte, um die liegengebliebenen Leckerchen aufzunehmen.

Soll ich ihn da festhalten und am Zurückgehen auf der Fährte hindern? Irgendwie widerstrebt mir das. Er soll doch selber kombinieren und sich korrigieren.

Ich will bei Rammstein jetzt nicht schon einen evtl. Fehler in der Fährte einschleichen lassen, der sich hinterher schwer wieder ausarbeiten läßt.

Bei meinem Herder Juma, die ja schon fast erwachsen war, als ich sie bekam, habe ich damals darauf bestanden, daß sie alle Leckerchen von der Fährte aufnahm, weil sie so wahnsinnig schnell gefährtet hat. Korrigieren tue ich sie nur insofern, daß ich stehenbleibe und nicht weitergehe, wenn sie über die Fährte hinausschießt oder einen Gegenstand oder Winkel überlaufen will. An Kommandos bekommt sie nur das "Such". Keine Strafwörter, wenn sie Fehler macht, sondern nur Lob, wenn sie es richtig macht.

Was würdet ihr machen?

Supermali
25.04.2006, 01:15
Hey Gabriela

Den Fährtenaufbau hast du schon mal wirklich perfekt angefangen! Mein Tipp in dieser Phase: Leine weg! Abgang wie du beschrieben hast mit Leckerchen bestücken, aber dreiecksförmig zur eigentlichen Fährte hin. Rammelsteinchen hineinsetzen und ohne irgend ein Kommando ihn einfach machen lassen. Durch die Dreiecksform wird er sich zur Fährte hinarbeiten und lernt jetzt schon, den Abgang richtig aufzunehmen. Die Fährte an sich kann bald auch schon ein Kreis sein. Das Ende der Fährte bildet wieder ein Dreieck, aber diesmal umgekehrt. Sobald er etwa dreiviertel der Leckerchen aufgenommen hat "frustest" du ihn durch das herausheben. So lernt er dass sein Triebziel am Schluss der Fährte ist weil er ja dann durch dein Eingreifen aufhören "muss". Und genau da will er das nächste Mal unter allen Umständen wieder hin.


Gruss Thomas

Rammstein
25.04.2006, 01:22
So lernt er dass sein Triebziel am Schluss der Fährte ist weil er ja dann durch dein Eingreifen aufhören "muss". Und genau da will er das nächste Mal unter allen Umständen wieder hin.

Das Triebziel ist doch die Fährte und nicht der Schluß der Fährte. Wenn man - meiner Meinung nach - das Triebziel am Schluß der Fährte ist, wird mein Hund doch u.U. ein Raser, der um jeden Preis dorthin will. Oder habe ich dich falsch verstanden?

Was mache ich, wenn er Leckerchen nicht aufnimmt? Die Fährte wieder zurückgehen will, weil dort noch welche liegen? Ihn einfach machen lassen?

Den Fährtenabgang habe ich übrigens dreiecksförmig zur Fährte gemacht. Sorry, das hatte ich gar nicht geschrieben.

Supermali
25.04.2006, 01:40
Das Triebziel in der jetzigen Phase ist das Ende der Fährte, weil nur daran kann und wird er sich "erinnern" und das fördert seine Arbeitsbereitschaft. Aber du hast natürlich schon recht, den richtigen Moment zu erwischen und die Attraktivität vom Ende der Fährte auf die eigentliche Fährte selbst zu legen, muss jeder mit seinem Hund selbst herausfinden. Kommst du zu spät, hast du einen "Fährtenraser", bist du zu früh, kann es sein dass er das (wirkliche) Interesse verliert.

Meiner Schäferin habe ich das Ende immer sehr attraktiv gestalten müssen, damit sie dahin wollte. Mein Mali bestätigt sich auf der Fährte und das Ende bekommt er gar nicht so richtig mit. Das wirst du aber bald selbst herausfinden und die Fährte entsprechend gestalten.

Ich würde jetzt auf keinen Fall einwirken, wenn er mal zurückgeht. Er lernt daraus, korrigiert sich selbst und die Leckerchen führen ja wohl nur in eine Richtung 8).


Gruss Thomas

yellow-wolf
25.04.2006, 01:52
hi,


Original von Supermali
Sobald er etwa dreiviertel der Leckerchen aufgenommen hat "frustest" du ihn durch das herausheben. So lernt er dass sein Triebziel am Schluss der Fährte ist weil er ja dann durch dein Eingreifen aufhören "muss". Und genau da will er das nächste Mal unter allen Umständen wieder hin.


und was erreichst du dadurch???

das der hund losstürmt um so schnell wie möglich ans ende zu gelangen!

ich finde es sinnlos, den hund erst schnell werden zu lassen um ihn hinterher für's langsame und intensive suchen stress zu machen!

na ja, viele wege führen nach rom.....


ich fange folgendermasse mit meinen welpen (8 wochen) an:

fährte auf blanken acker schritt für schritt treten und in jedem stapfen ein stück futter.

bereits vor dem abgang mache ich ruhe auf den hund. ich lass ihn sitzen oder liegen und bestätige dieses verhalten mit futter. ein losstürmen gibt es nicht.

wenn ich den hund freigebe, sucht er stapfen für stapfen die fährte ab. das futter liegt in der hacke, an der tiefsten stelle des trittes. so lernt der hund mit tiefer nase zu suchen.

hier kommt es nicht auf bögen, winkel oder kreise an, sondern, dass der hund lernt sich schritt für schritt vorzuarbeiten. wenn der hund dies gelernt hat interessiert ihn kein winkel, kreis oder bogen.

das ende der fährte gestalte ich wie folgt:

den letzten stapfen trete ich tiefer und grösser. hier kommt eine gute handvoll trockenfutter mit wurst gemischt rein. davor plaziere ich einen gegenstand- das ist am anfang eine kindersocke oder ähnliches.

der hund kommt am letzten stapfen an und frisst sein futterdepot leer. in aller seelenruhe gehe ich vor(!) (wichtig) den hund und setz mich in die hocke. hat der hund das depot leergeputzt bringe ich ihn ins platz. bei mir heisst das dann aber leg dich und nicht platz. voraussetzung hierfür ist natürlich, dass der hund dieses kommando kennt. sobald der hund liegt bekommt er immerwieder ein stück futter auf den gegenstand. die jungen hunde lernen das superschnell. nach der dritten fährte legen sie sich bereits selbstständig am gegenstand ab- weil, es gibt ja was dafür!

so hast du zwei fliegen mit einer klappe geschlagen- ruhe auf der fährte und verweisen des gegenstands.



Original von Rammstein
Soll ich ihn da festhalten und am Zurückgehen auf der Fährte hindern? Irgendwie widerstrebt mir das. Er soll doch selber kombinieren und sich korrigieren.

jo, dass sehe ich auch so.

geht er aus der fährte raus oder zurück, findet er nix. geht er wieder rein oder weiter, findet er seine bestätigung- und daraus lernt er!


gruss,

heike & co.

martin
25.04.2006, 02:05
Sehe ich auch so Gabriela - einfach so weitermachen. Korrekturen machen Konflikte. Und die braucht ein junger Hund einfach nicht.

Ich würd ihm auch die Fährte wichtig machen und nicht das Ende. Dildei funzt prima bei aktiven Hunden. ;)

Gruß
Martin

Supermali
25.04.2006, 02:16
Original von yellow-wolf
und was erreichst du dadurch???
das der hund losstürmt um so schnell wie möglich ans ende zu gelangen!


Hallo Heike

Deine Meinung! Ich meine dass damit eine Steigerung des Triebes auf die Fährte erreicht wird und der Hund sich lediglich daran erinnern kann, dass doch da vom letzten Mal noch was leckeres liegen muss.


Gruss Thomas

martin
25.04.2006, 10:11
Hallo Thomas, das kann bei Hunden, die eh schon hoch motiviert sind ganz schön in die Hose gehen. Ich Depp hatte bei meinem (übrigens schweizer :D ) Schäfi zur Triebsteigerung zwei Tropffährten (hat etwa die gleiche Wirkung) gelegt und habe anschließend 3 Wochen gebraucht um meinen Hund davon zu überzeugen, dass man sich am Abgang nicht eingräbt. :O

Die Motivation sollte sich demnach in dem Bereich bewegen, in dem der Hund noch denken kann.

Für Hunde mit einer durchschnittlichen Suchmotivation stimme ich Dir aber uneingeschränkt zu.

Grüßli
Martin

Supermali
25.04.2006, 10:25
Hallo Martin

Heute gibt es ABS, ASR, EDS und ESP auch schon für Hunde und dann ist es schlichtweg unmöglich, beim Abgang "einen Schwarzen" liegenzulassen =) =).

Spass beiseite, warum meinst du dass eine Tropf- (oder auch Schlepp-?) fährte die gleiche Wirkung hat wie bei einer "normalen" mit am Ende den Welpen aus dem Dreieck herausheben? Ich finde irgendwie den Zusammenhang nicht.


Gruss Thomas

Aura
25.04.2006, 10:46
Hallo Thomas

Also, da muss ich dir jetzt aber auch widersprechen. Der Hund soll AUF der Fährte motiviert sein. Fährten ist für mich wie Meditation: Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe. Der Hund soll vor allem Spass haben am Suchen, das Ziel ist dann quasi die Endstation, wo es natürlich auch etwas besonders Leckeres gibt.

@Rammstein
ich würde aufpassen, wenn dein Racker zurückgeht.... meiner Meinung nach solltest du unbedingt darauf achten, dass er KEIN Futter überläuft.
Kommt es nur ab und zu vor, dass er was überläuft?

Gruss

Supermali
25.04.2006, 11:30
Original von Aura
Der Hund soll AUF der Fährte motiviert sein.

Guguseli Siby

Natürlich, im Endeffekt meine ich ja auch nichts anderes. Lies mal ein bisschen weiter oben, was ich geschrieben habe:

"Mit dem "Frusten" am Ende der Fährte wird bei einem Welpen in diesem Alter eine Steigerung des Triebes auf die Fährte erreicht, weil der Hund sich lediglich daran erinnern kann, dass doch da vom letzten Mal noch was leckeres liegen muss."

Wie Martin ja schreibt sollte die Motivation sich in dem Bereich bewegen, in dem der Hund noch denken kann. Sehr bald wird dann die Fährte an sich attraktiver gestaltet, allerdings den optimalen Zeitpunkt dazu herauszufinden ist nicht gerade Einfach und muss jeder selbst herausfinden.


Gruss Thomas

martin
25.04.2006, 12:38
Tja Thomas,


Heute gibt es ABS, ASR, EDS und ESP auch schon für Hunde und dann ist es schlichtweg unmöglich, beim Abgang "einen Schwarzen" liegenzulassen fröhlich fröhlich .

ist aber unsinnig mit einem Fuß Gas zu geben und gleichzeitig mit dem anderen zu bremsen. :D ;)


Spass beiseite, warum meinst du dass eine Tropf- (oder auch Schlepp-?) fährte die gleiche Wirkung hat wie bei einer "normalen" mit am Ende den Welpen aus dem Dreieck herausheben?

Ich denke, im Kopf des Hundes spielt sich ähnliches ab:

Das Ding mit dem Dreieck = da war noch was - ganz sicher

Schlepp/Tropffährte = ich riechs aber da ist nix - aber da ist noch was - ganz sicher

Grüßli
Martin

Rammstein
25.04.2006, 14:05
Danke euch für eure super Antworten und Ideen. So, dann will ich mal versuchen, euch zu antworten.


Dildei funzt prima bei aktiven Hunden.

@martin
Nach Dildei habe ich auch meinen Herder ausgebildet. Dildei besteht ja darauf, daß der Hund jedes Leckerchen aufnimmt. Dazu müßte ich also Rammstein wieder bremsen, ihn auf das Leckerchen weisen oder ihn so lange an der Leine halten, bis er das Leckerchen selber aufnimmt. Das widerstrebt mir irgendwie. Ich will ja eigentlcih versuchen, Korrekturen von mir aus soweit wie möglich zu vermeiden. Korrigieren soll er sich ja selber durch Kombinieren.


geht er aus der fährte raus oder zurück, findet er nix. geht er wieder rein oder weiter, findet er seine bestätigung- und daraus lernt er!

@yellow-wolf
Aber wenn er den Weg zurückgeht, findet er doch die überlaufenen Leckerchen. Das ist das, was mich stört. Hm, und wie wäre es, wenn ich (ich gehe ja noch dicht hinter ihm) die überlaufenen Leckerchen direkt hinter ihm aufnehme? Dann dürfte doch eigentlich für ihn der Rückweg uninteressant sein, oder?


den letzten stapfen trete ich tiefer und grösser. hier kommt eine gute handvoll trockenfutter mit wurst gemischt rein. davor plaziere ich einen gegenstand- das ist am anfang eine kindersocke oder ähnliches.

@yellow-wolf
Aber so machst du doch das Ende der Fährte interessanter - also besteht doch auch hier wieder ein Risiko, einen Raser zu erziehen. Oder sehe ich das verkehrt?


ich würde aufpassen, wenn dein Racker zurückgeht.... meiner Meinung nach solltest du unbedingt darauf achten, dass er KEIN Futter überläuft.

@Aura
Aber dann muß ich ihn wieder stoppen und auf das Leckerchen hinweisen. Also wieder Korrektur. Ich möchte ja eigentlich Selbständigkeit fördern. Er soll selber herausfinden (gerade bei Fährtenarbeit), wo sein Weg ist, der belohnt wird und wo nicht. Weißt du, was ich meine?

Juma habe ich anfänglich nach Kufner ausgebildet. Die Methode hat früher bei meinen DSH super gefunzt - nur mein Herder hat es geschafft, mich nach nur 2 Anfängerfährten damals quer über die Wiese zu schleifen. Ich habe wieder bei null angefangen und nach Dildei gearbeitet. Ich weiß, jede Methode ist nur so gut wie der Hund, auf den sie angewendet wird. Die Dildei-Methode hat bei Juma gefunzt. Aber mit wahnsinnig vielen Korrekturen. Und auch heute noch muß ich wegen ihres Tempos, was sie dabei vorlegt, immer wieder mal einen Schritt zurückgehen. Beständigkeit habe ich dadurch nicht bekommen. Sie ist ein super Sucher und ich hoffe, im Herbst mit ihr die FH1 machen zu können.

Und deshalb wollte ich mit Rammstein von Grund auf ein solides Fundament aufbauen.

Und meine nächste Frage ist: Ich weiß nur nicht, wie lange die Fährte schon sein soll. Nicht, daß ich ihn überforder. Heute habe ich zum Fährten 3 Bockwürstchen geviertelt und so klein geschnitten, daß sie kleiner als mein kleinster Fingernagel waren. Ich habe in jeden Schritt ein Leckerchen gelegt - die Fährte war also schon verdammt lang (für einen Hund, der erst 3 x suchen war). Und am Ende der Fährte (über deren Gestaltung ich mir auch schon den Kopf zerbreche), die bestimmt schon 100 Schritt lang war und aus Bögen und einer Geraden bestand, habe ich ihn aus der Fährte herausgehoben, als noch ein paar Leckerchen lagen, die er auch gesehen hat. Und eben um zu vermeiden, daß er wieder der Fährte zurückgeht. Er hat mir zum Dank wieder in die Schulter gebissen (diesmal in die andere). Also, wenn es nach Rammstein gegangen wäre, hätte die Fährte bestimmt schon länger sein können. Aber ich denke mal, ich würde ihn dann doch schon überfordern, oder? Zumal ich ja noch bis zum Ende der Woche täglch gehe, nächste Woche überhaupt nicht und dann wieder mehrmals wöchentlich.

Und meine letzte Frage (ich hoffe, ich nerve nicht): Wie gestaltet man bei einem Welpen das Ende der Fährte? Auf einmal sind keine Leckerchen mehr da - und dann? Oder Herausheben?

Aura
25.04.2006, 14:40
Original von Rammstein

@Aura
Aber dann muß ich ihn wieder stoppen und auf das Leckerchen hinweisen. Also wieder Korrektur. Ich möchte ja eigentlich Selbständigkeit fördern. Er soll selber herausfinden (gerade bei Fährtenarbeit), wo sein Weg ist, der belohnt wird und wo nicht. Weißt du, was ich meine?

Yeap, ich weiss, was Du meinst :)
Korrektur würde ja passieren, wenn er schon zu weit wäre. Und genau das musst Du verhindern, ohne Druck. Was meinst Du, wenn Du ihm ein gut gepolstertes Geschirr anziehst, und ihn relativ kurz hältst, ihn so ganz sanft führst (Kein ruckartiges stop and go, sondern gleichmässig halten). Das erfordert natürlich jede Menge Konzentration von dir.


Original von Rammstein
Und meine nächste Frage ist: Ich weiß nur nicht, wie lange die Fährte schon sein soll?

Ich würde am Anfang keine zu langen Fährten machen. Es erfordert eine unheimliche Konzentration des Hundes, und ich glaube, ein Mali gibt schon in diesem zarten Alter nicht so schnell auf, Ueberforderung ist schnell passiert. Ich habe den Welpen damals mehrmals in der Woche sein Frühstück suchen lassen, d.h. kurze Fährte (ca. 30 Schritte), am Ende ein kleines Plastikschälchen mit seinem Futter u. ev. etwas Wurst. Und vor allem: das Schälchen ist verschlossen, ICH mache das Schälchen auf und lass ihn dann daraus fressen. Ich mache es aber erst auf, wenn er sich hingelegt hat.

Ich würde eher kurze Fährten machen, dafür schon ziemlich rasch Richtungswechsel (Kurven usw.) einbauen, aber das machst Du ja schon :)
Zudem würde ich von Anfang an auf verschiedenen Böden trainieren (im Wald, Acker, Wiese usw.)

Gruss

martin
26.04.2006, 01:54
@martin
Nach Dildei habe ich auch meinen Herder ausgebildet. Dildei besteht ja darauf, daß der Hund jedes Leckerchen aufnimmt. Dazu müßte ich also Rammstein wieder bremsen, ihn auf das Leckerchen weisen oder ihn so lange an der Leine halten, bis er das Leckerchen selber aufnimmt. Das widerstrebt mir irgendwie. Ich will ja eigentlcih versuchen, Korrekturen von mir aus soweit wie möglich zu vermeiden. Korrigieren soll er sich ja selber durch Kombinieren.

Ja gut. Wenn Du so aufbaust und der Hund sich das Fährten über die Art der gelegten Fährten selbst beibringen soll, musst Du aber auch konsequent weiter denken. Das Schlimmste, was man tun kann, sind in dem Stadium tatsächlich die Korrekturen. Warum soll also ein Hund über die Fährte donnern, die voller Leckers liegt und diese sogar ignorieren?
Es beginnt immer gleich. Der junge Hund möchte in seinem Eifer so schnell wie möglich von Lecker zu lecker. Der Ausbilder befindet dieses, ich will es mal chaotisches Suchen nennen, als zu schnell und versucht an der Leine gegen zu halten. Das erwidert der motivierte Hund mit noch mehr Zug. UND - er kommt damit zu seinem nächsten Lecker. Irgendwann gehört für ihn ziehen zum fährten - Eine fatale Baustelle. Was kommt dann? Zwang? Wie es viele meinen?

Schritt 1 - Ich hab meinen Hund losbrettern lassen. Hab einfach die Leine fallen lassen. Es kam was kommen musste. Mein Hund stand plötzlich im Acker und wusste nicht mehr, wo die Würstels waren.

Schritt 2 - Frust verstärkt und Hund in den Hänger.

Schritt 3 - Nach einer halben Stunde erneute Fährte = gleiches Ergebnis = Schritt 2 und 3

Bei der dritten Fährte suchte der Hund an schleppender Leine ruhig und konzentriert - bis heute.

Aber ohne Hilfe hätte ich mich das wahrsscheinlich nie getraut. Schon gut, wenn man die alten Hasen mal fragen kann.

Gruß
Martin

Fuzzi
26.04.2006, 09:29
@ Gabriela,

ich bin ja nun nicht so der Fährtenprofi - aber ich habe es gemacht wie Du.
Ich habe den Hund selber suchen lassen. Er hat nie die Fährte verloren, aber doch etliche Leckerchen liegen lassen. Außerdem hatte es dem kleinen Kerl so viel Spaß gemacht, daß er auch immer nochmal zurückgesucht hat. Ich habe ihn gewähren lassen - eine zeitlang. Ihn selbständig arbeiten lassen. Erst nach ein paar Monaten fing ich an, ihn nach dem 1. Mal nicht mehr zurücksuchen zu lassen, sondern das Auflösekommando "fertig" zu geben, den Hund auf mich zu beziehen und mit ihm zu spielen.
Das einzigste Problem, das sich jemals beim Fährten ergeben hatte war, daß mein Hund später zwischen den ausgelegten Leckerchen ein bißchen schneller wurde. Das habe ich aber erst korrigiert, als er älter war.
Heute sucht er gleichmäßig ruhig und konzentriert und wenn er mal einen Fehler macht, kommt er nicht ins Schleudern - er hat ja von Anfang an gelernt, selbständig zu arbeiten.

Gruß Iris

Rammstein
26.04.2006, 10:47
Danke für eure Antworten. Also stehe ich mit meiner Meinung doch nicht so alleine da.

@martin
Hast du es zugelassen, daß dein Hund die Fährte in beiden Richtungen absucht? Also, wenn er erst rüberdonnert und Leckerchen übersieht, soll ich es dann dulden, daß er zurückgeht, um die liegengebliebenen aufzusammeln? Oder soll ich ihn dann ins Auto bringen? Das ist mir noch nicht so ganz klar.

@Fuzzi
Iris, hast du zugelassen, daß dein Hund während des Fährtens noch einmal zurückging, um die Leckerchen aufzusuchen? Oder daß er am Ende der Fährte die Fährte noch einmal zurückgehen durfte?

Das ist mir noch nicht so klar.

Wie gestaltet ihr das Ende der Fährte (bei einem Welpen bzw. Junghund)? Bisher habe ich ihn herausgehoben, als noch ein paar Leckerchen lagen, die er auch gesehen hat.

Und wie lang sind die Fährten bei euch bei einem so jungen Hund? Mich hat erstaunt (aber auch erschreckt), mit was für einer Begeisterung der kleine Mann schon eine eigentlich sehr lange Strecke abgesucht hat. In dem Buch von Dorothee Schneider/Armin Hölzle wird empfohlen, schon Fährten von 150 Meter zu legen, die der Hund zwar nicht komplett abzusuchen braucht (wenn man merkt, die Konzentration läßt nach, soll man ihn aus der Fährte nehmen), aber den Reiz auf die nächste Fährte noch erhöht, eben weil er weiß, daß die Fährte noch weitergeht.

martin
26.04.2006, 12:09
@martin
Hast du es zugelassen, daß dein Hund die Fährte in beiden Richtungen absucht? Also, wenn er erst rüberdonnert und Leckerchen übersieht, soll ich es dann dulden, daß er zurückgeht, um die liegengebliebenen aufzusammeln? Oder soll ich ihn dann ins Auto bringen? Das ist mir noch nicht so ganz klar.

Nein - Fährten ist von Anfang an nur in eine Richtung. Dadurch, dass ich direkt hinter dem Hund auf der Fährte (oder eben daneben :D 8) ) bin, ist das Zurückssuchen für den Hund nie möglich. Ich hindere den Hund am Zurücksuchen aber nicht aktiv (Leine), sondern dadurch, dass ich ihm den Weg blockiere. Was auch geht aber mühsamer ist, ist Leckers einsammeln, die er überlaufen hat.

Überlaufen von Leckers ist bei dem Schritt nicht tragisch - das ändert sich, wenn er ruhiger wird. In den Anhänger geht er nur, wenn er die Fährte verliert.


Und wie lang sind die Fährten bei euch bei einem so jungen Hund?
So kurz, dass er mühelos mit voller Konzentration ans Ende kommt. Ein Marathonläufer trainiert auch nicht gleich die ganze Distanz.

Gruß
Martin

Fuzzi
26.04.2006, 17:55
Original von Rammstein


@Fuzzi
Iris, hast du zugelassen, daß dein Hund während des Fährtens noch einmal zurückging, um die Leckerchen aufzusuchen? Oder daß er am Ende der Fährte die Fährte noch einmal zurückgehen durfte?

Das ist mir noch nicht so klar.




Ich habe ihm das Zurücksuchen erlaubt, nachdem er fertig war und von allein feststellte, daß es nicht weiterging. Er bemühte sich, die Fährte wiederzufinden...deshalb habe ich es gestattet. Seine Eigenbemühung mußte doch belohnt werden. ;)
Später habe ich das einfach abgestellt - kein Problem gewesen.

Gruß Iris

Supermali
26.04.2006, 18:24
Original von Fuzzi
Ich habe ihm das Zurücksuchen erlaubt, nachdem er fertig war und von allein feststellte, daß es nicht weiterging.

Ich finde das nicht so gut. Beim Zurücksuchen flacht doch die Suchintensität des Welpis langsam ab und es sind total andere Bodenverletzungen vorhanden als auf der "Originalfährte". Ich komme wieder darauf zurück dass es mir wichtig ist, dass der Welpe den Abschluss der Fährte als Höhepunkt in Erinnerung behält. Nicht, dass das beim nächsten Suchen primär sein Ziel ist sondern dass eben die Arbeitsbereitschaft auf die Fährte konditioniert wird.

Am Schluss einer Fährte hebe ich ihn aus der Fährte raus. Später kommt als Abschluss z.b. ein grösseres Stück Wurst und nachdem er das gefressen hat, lenke ich ihn mit Spielen von der Fährte ab und er wird damit fürs Suchen bestätigt.


Gruss Thomas

yellow-wolf
26.04.2006, 20:56
hi,


Original von Rammstein



geht er aus der fährte raus oder zurück, findet er nix. geht er wieder rein oder weiter, findet er seine bestätigung- und daraus lernt er!

@yellow-wolf
Aber wenn er den Weg zurückgeht, findet er doch die überlaufenen Leckerchen. Das ist das, was mich stört. Hm, und wie wäre es, wenn ich (ich gehe ja noch dicht hinter ihm) die überlaufenen Leckerchen direkt hinter ihm aufnehme? Dann dürfte doch eigentlich für ihn der Rückweg uninteressant sein, oder?

na ja, der durft der leckerchen ist ja noch auf der spur, auch wenn du sie eingesammelt hat! ausserdem könnte diese aktion deinen hund stören und er könnte sich mehr für dein tun interessieren.

ich lasse die welpies am anfang ohne leine suchen. ich empfinde es dann auch nicht als schlimm, dass sie mal ein paar schritte zurückgehen.
futter überlaufen ist bei mir eher selten. wenn der hund futter überläuft, ist er satt und mit einem satten hund gehe ich nicht fährten!



Original von yellow-wolf
den letzten stapfen trete ich tiefer und grösser. hier kommt eine gute handvoll trockenfutter mit wurst gemischt rein. davor plaziere ich einen gegenstand- das ist am anfang eine kindersocke oder ähnliches.



Original von Rammstein
@yellow-wolf
Aber so machst du doch das Ende der Fährte interessanter - also besteht doch auch hier wieder ein Risiko, einen Raser zu erziehen. Oder sehe ich das verkehrt??

nö, der hund frisst sich ja stapfen für stapfen zum ende. also ist der weg das ziel. unterwegs lege ich auch mal ab und an ein futterdepot, wo er etwas verweilen kann/muss. auch hier geb ich ihm ruhe zum fressen.

ist der hund am ende angekommen, frisst der hund in aller seelenruhe sein depot leer. danach legt er sich am gegenstand ab und bekommt noch etwas futter- immer ein stück auf den gegenstand. beendet wird die fährtenarbeit mit kommando "fertig" dann darf er aufspringen und wir räumen das feld!

ich halte überhauptnix davon, ihm sein futter streitig zu machen! das ist stress für den welpi- und stress will ich auf jeden fall vermeiden.

wenn sie dir deinen halbvollen teller wegnehmen, wirst du beim nächsten mal schneller am tisch sein wollen und wirst schneller schaufeln als sonst, oder??!!




gruss,

heike & co.

Fuzzi
26.04.2006, 21:43
Original von Supermali


Ich finde das nicht so gut. Beim Zurücksuchen flacht doch die Suchintensität des Welpis langsam ab und es sind total andere Bodenverletzungen vorhanden als auf der "Originalfährte".

Gruss Thomas


viele Wege führen nach Rom - besonders beim Fährten... ;)
Hätte ich gemerkt, daß die Suchintensität bei Ferro abgenommen hätte, hätte ich das so nicht gemacht. Aber da die Fährten kurz gehalten waren, suchte der Welpe den Rückweg genauso intensiv, wie den Hinweg. Also habe ich es gelassen.
Was die Bodenverletzung betrifft, so habe ich es gehalten, wie Yellow-Wolf. Der Hund suchte ohne Leine - ich ging ca. 2m daneben und ließ ihn gewähren. Also keine weitere Bodenverletzung auf der Fährte durch mich.

Gruß Iris

Mike und die Schäfis
26.04.2006, 22:11
Hallo,
so wie Heike es beschreibt, finde ich die Aufbauarbeit absolut richtig!
denke, dass dem Welpen so die Sucharbeit am schlüssigsten und stressfreiesten gezeigt wird;

Heike :zustimm:




Die Arbeit am Ende mit dem Gegenstand ist jedoch auch für mich neu,
hab ich so noch nicht erlebt oder gesehen.
Aber bei näherer Betrachtung macht auch das Sinn und
werde das so bei meinem nächsten Fährtenaspiranten probieren, denke das das ein einfacher Weg ist, dass Verwiesen gleich Stressfrei mit einzubauen.

:respekt:

eros
26.04.2006, 23:49
Ich habe Eros auch noch mal rückwärts laufen lassen, und ich hatte den Eindruck, daß er noch intensiver sucht als auf dem Hinweg.
ellen ;)