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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Seminar Führtechniken



Flaming Star
28.04.2009, 20:00
Hallo,

habe letztes Wochenende ein 2 Tages Seminar mit Brigitte Titz besucht. In Ermangelung eines eigenen (fitten) Hundes, hat mir Brigitte ihren Monty (BC) ausgeliehen. Monty hat nun aber eine Besonderheit, er ist taub.

Nun musste ich also für den Hund präsent sein wenn es darauf ankam und deutlich in meiner Körpersprache. Das war eine Erfahrung die ich nicht mehr missen möchte und die mich mehr gelehrt hat, als alles zuvor.

Monty und ich sind in den beiden Tagen zu einem tollen Team geworden und kleine Fehler meinerseits hat er mir verziehen.

Hat von euch schon jemand einen tauben Hund geführt und welche Erfahrungen habt ihr dabei gesammelt?

LG

Bettina

Marion
29.04.2009, 14:47
Hallo Bettina
einen tauben Hund habe ich noch nicht geführt. Ich tu aber oft so, als hätte ich einen, und dirigiere Winnie dann ausschließlich mittels Körpersprache beim Gassi durch den Wald. Wohlgemerkt, auch ohne konditionierte Zeichen. Stehenbleiben, warten, herkommen, Leinenführigkeit usw. funktioniert sehr gut so.

Wir unterrichten es inzwischen sogar selber im Verein. Ursprünglich hatten wir es eingeführt, damit Otto Normalhundebesitzer seinen Hund mal objektiv sieht, er muss dabei nämlich auf die Körpersprache des Hundes achten, lernen, was sie sagt, und auch sich selber kontrollieren. Dabei haben sich verschiedene Vorteile herausgestellt. So ist die Konzentration des Hundes viel mehr beim HH, wenn der HH es häufiger anwendet (ich gehe inzwischen jede Wette ein, dass der Jagdtrieb meiner Hündin kontrollierbar wäre, wenn ich es so von Beginn an gehandhabt hätte). Außerdem achtet der HH mehr auf seinen Hund, statt ihn dauernd an der Leine rumzuziehen oder ein ewiges Neineinneinein..... loszulassen. Kommandos wie das zuverlässige SITZ benötigen keine dauernde Wiederholung, irgendwie versteht der Hund es sehr schnell, wenn ich es nur durch Körpersprache vermittel. Ebenso Verbote.


Das war eine Erfahrung die ich nicht mehr missen möchte und die mich mehr gelehrt hat, als alles zuvor.
Genial, oder?

Titivue
29.04.2009, 16:04
habe das bei uns im Verein auch schon mit meiner Trainingsgruppe gemacht.

Ein Viereck gestellt und der HF sollte seinen Hund nur mittels Körpersprache (also auch nicht schnalzen oder pfeifen,etc.) seinen Hund dazu bewegen innerhalb dieses Vierecks zu bleiben.

Danach wurde die Schwierigkeitsstufe erhöht und wir haben versch. Kunststücke (Sitz, Platz, Steh, Vorsitz, umwechseln ins Fuß, Fußlaufen) versucht. Das war sehr interessant, weil wir auch gefilmt haben und der HF sich später selbst sehen konnte.Ebenso waren ja die anderen HF am Rand des Vierecks und konnten genau beobachten, wie der HUnd auf verschiedene Körperbewegungen und Mimik vom HF reagiert.

Die Resonanz der HF war durch die Reihe positiv, weil das eine ganz neue Erfahrung für sie war.

Später haben wir die Übung etwas umgewandelt und der HF sollte nun "nur" mittels Sprachkommandos den Hund zu den Übungen bewegen.
Da viele trotzdem ihre Arme zu Hilfe genommen haben, um ihren KOmmandos Ausdruck zu verleihen wurden diese kurzerhand auf den Rücken gebunden und der HF musste mit beiden Füßen auf einer markierten Stelle stehenbleiben.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass alle Hunde, komplett durch die Reihe auf die Körpersprache besser (intensiver, mit mehr Interesse und Eifer) reagiert haben, als auf die gesprochenen Kommandos.

Das war für mich persönlich ein sehr aufschlußreiches Experiment.:cool:

Marion
29.04.2009, 16:31
Ein Viereck gestellt und der HF sollte seinen Hund nur mittels Körpersprache (also auch nicht schnalzen oder pfeifen,etc.) seinen Hund dazu bewegen innerhalb dieses Vierecks zu bleiben.

Wir hatten mittels Stangen einen Weg gelegt, inkl. Bogen und mehreren rechten Winkeln, ca. 1 Meter breit. Ziel war es, den Weg zu gehen, mit durchhängender Leine, ohne dass eine Stange übertreten wird. Bei einer jungen Labbihündin war zusätzlich das Problem, dass sie mindestens jeden zweiten Stock rumtragen wollte.
Spätestens beim zweiten Gang (ich muss dazu sagen, dass die Leute schon zwei Kursstunden hinter sich hatten) klappte es fehlerfrei, sogar die Stangen wurden nicht mehr beachtet. Die Konzentration der Hunde war so dermaßen auf die Hundeführer gerichtet, dass eine Bombe hätte platzen können ;).

Flaming Star
29.04.2009, 16:47
Jo war echt genial. Viele brüllen ja im Parcours gerade wenn viele Verleitungen da sind.Bei dem Seminar war der Parcours (A-lauf u. Jumping) gespickt mit Verleitungen, es ging ja um Führtechnik.Da musste ich für den Hund ganz eindeutig in der Körpersprache sein, hören konnte er ja nicht, obwohl es mich manchmal gejuckt hat zu rufen oder zu klatschen.Das war für mich eine Erfahrung und wertvoll für zukünftige Trainingseinheiten. LGBettina

Cindy
07.05.2009, 08:49
Hi Bettina,

einen tauben Hund nicht.
Aber einen Hund, der die äusserst dumme Angewohnheit hatte, auf ein Wort hin (egal welches) abzuspringen und zwar unabhängig davon, ob die Entfernung zum Hindernis passte oder nicht. Und der die ebenfalls dumme Angewohnheit hatte, auf die leichteste Hand/Armbewegung des HF abzuspringen, ebenfalls egal wo das jeweilige Hindernis stand. OK, das sind letztendlich durchaus auch Ausbildungsfehler. Aber sie hat es nie geschafft, umzulernen.
Dazu reagierte diese Hündin ebenfalls auf die kleinsten Körperbewegungen - ein Hund, der absolut keine Führfehler verziehen hat. Man nehme dazu noch die extreme Übermotiviertheit, so von wegen von 0 auf 300 in weniger als einem Lidschlag wenn HF nicht aufpasste.

Bei diesem Hund war extremst ruhiges Führen angesagt, möglichst Klappe halten, und Hände/Arme idealerweise komplett bei sich lassen. Führen rein über Schulter, Oberkörper, Beine.
Anstrengend - v.a. für nen Bewegungslegastheniker wie meine Wenigkeit. Wenn Hund UND Hundeführer absolut kein Körpergefühl haben ........ .
Ich bin damals teilweise monatelang mit ihr gelaufen und habe meine Hände am T-Shirt-Saum festgekrallt oder auf dem Rücken ineinander festgehalten *gggg*.

Dass Du dabei ne ganze Menge gelernt hast, speziell zum Führen, glaube ich Dir sofort. Wieviel Körpersprache ausmacht und wie viel das gesprochene Wort, konnten wir letztes Jahr in Reutlingen beim Turnier feststellen. A3 - Steg, dahinter auf gleicher Höhe Slalom nach links, Tunnel nach rechts. Mit einem Tunneleingang, der laut und deutlich schrie "Hallo, hier bin ich". Da gab es eine ganze Reihe von HF (meine Wenigkeit eingeschlossen), die zwar "Slalom" gerufen haben, aber deren ganze Körpersprache Richtung Tunnel zeigte. Und die Hunde verschwanden im Tunnel. Einer der HF dagegen führte seinen Hund mit Körpersprache ganz korrekt in den Slalom und rief dabei laut und deutlich "Tunnel". Was machte der Hund? Den Slalom und zwar völlig korrekt, Hund hat nicht mal Richtung Tunnel gezuckt.

@Titivue
das ist doch letztendlich verständlich. Hunde kommunizieren untereinander doch auch v.a. über Körpersprache. Wenn wir sie mit Worten zutexten ist das für sie wie ne Fremdsprache.
Aber die Idee mit dem Viereck ist gut. Werde ich mir mal merken und ausprobieren. Ebenso wie die Sache mit dem Stangenweg. Ich habe bisher sowas mit Pylonen gemacht. Aber Stangen als beidseitige Begrenzung ist fast noch besser.

Flaming Star
07.05.2009, 19:26
Hi Bettina,

Dass Du dabei ne ganze Menge gelernt hast, speziell zum Führen, glaube ich Dir sofort. Wieviel Körpersprache ausmacht und wie viel das gesprochene Wort, konnten wir letztes Jahr in Reutlingen beim Turnier feststellen. A3 - Steg, dahinter auf gleicher Höhe Slalom nach links, Tunnel nach rechts. Mit einem Tunneleingang, der laut und deutlich schrie "Hallo, hier bin ich". Da gab es eine ganze Reihe von HF (meine Wenigkeit eingeschlossen), die zwar "Slalom" gerufen haben, aber deren ganze Körpersprache Richtung Tunnel zeigte. Und die Hunde verschwanden im Tunnel. Einer der HF dagegen führte seinen Hund mit Körpersprache ganz korrekt in den Slalom und rief dabei laut und deutlich "Tunnel". Was machte der Hund? Den Slalom und zwar völlig korrekt, Hund hat nicht mal Richtung Tunnel gezuckt.



Hallo Cindy,

jepp, diese Situationen haben wir schon zuhauf gehabt und alle, wirklich alle meinten dass ihr Hund wohl taub wäre:D Die haben sich heiser geschrien und dabei haben die Hunde aus ihrer Sicht alles richtig gemacht:cool:

Ach was ist es neuerdings beim Training leise, so richtig erholsam;)

LG

Bettina